Lauscht die ganze Welt schon mit? – Abhörsicherheit und Lauschabwehr

Spätestens nach der Abhör-Affäre um Merkels Handy weiß man, dass es nicht einen Abhör-Spezialisten der NSA bedarf, um Information auszuspionieren.

Laut einem BILD-Test bedarf es nicht mehr als ein Laptop, ein Kabel und ein altes Handy sowie einem kostenlosen Abhörprogramm aus dem Internet. Kinderleicht können so Telefongespräche, SMS, Surf-Daten oder Mails mitgeschnitten oder -gehört werden.

Lauschangriffe leicht gemacht – wie das Handy mal schnell zur Wanze umfunktioniert wird

Auch einem Konzern wie Apple passieren schmerzhafte Pannen. Durch einen Softwarefehler in Apples iPhone–Telefondienst Facetime waren kurzfristig Lauschangriffe und das Ausspionieren von Kontaktdaten durch einen Bug möglich. Das Unternehmen, welches gerade mit der Komplett-Verschlüsselung und Sicherheit seiner Daten wirbt, hatte die Fehlfunktion zwar umgehend nach bekannt werden deaktiviert, bis dahin war jedoch schon ein Video im Umlauf, welches demonstrierte wie man mithilfe von Facetime ein iPhone zur Wanze missbrauchen kann. Zum Zeitpunkt der Fehlerbehebung war das veröffentlichte Video bereits mehrere Millionen Mal angesehen und zigtausend Mal geteilt worden.

Auch Sprachsteuerung kann einem ungewollt zum Verhängnis werden

Seit Alexa und Co. kommt auch hier die Frage immer wieder auf, lauscht der Amazon Sprachlautsprecher etwa die ganz Zeit mit? Ausgerichtet mit seinen sieben Mikrofonen, entgeht dem Echo tatsächlich ziemlich wenig. Allerdings ist die Aufnahme nur auf bestimmte Befehle programmiert, wie z.B dem Startbefehl: „ALEXA …“ und die Aufzeichnungen werden erst dann an einen Server von Amazon übermittelt und dort entschlüsselt. In der Regel ist die Privatsphäre somit geschützt, es kann jedoch trotz allem immer mal wieder vorkommen, dass auch ohne konkreten bzw. bewussten Befehl eine Aufzeichnung ausgelöst wird, nämlich dann, wenn Gesprächsfetzen ähnlich klingen oder im Fernsehen/Radio gleichklingende Befehle gehört werden. Ohne Internet funktioniert die Aufnahme im Übrigen jedoch nicht.

Der Schutz vor Lauschangriffen – vielschichtig und nicht zu unterschätzen

Der als Whistleblower bekannt gewordene Amerikaner Edward Snowden entwickelte beispielsweise zum Schutz vor Überwachung die kostenlose Android-App „Haven“, die vor allem für Menschenrechtsverteidiger und investigative Journalisten gedacht war. Die App soll verhindern, dass das eigene Smartphone zum Abhörsystem wird und Unbefugten den Zugriff zum Telefon verwehren. Die ausgefeilte App ist ein Alarmsystem, welches dem Nutzer erlaubt sein Smartphone in einen Home Security Assistenten umzuwandeln.

Um sich gegen Lauschangriffs-Risiken abzusichern, bietet auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Hilfestellung. Grundsätzlich ist die effektive Abwehr immer in einem Gesamtkontext zu betrachten und nur in Kombination mit mehreren Schutzmaßnahmen zu erzielen. Unternehmen sind daher gut beraten, sich bei Fachberater informieren und im Ereignisfall die Behörden, etwa den Verfassungsschutz zu informieren.

Fazit: Egal, ob echte Bedrohung oder banaler Mitschnitt, Abhören ist keine Fiktion!

(wenn Sie dieses Thema interessiert, melden Sie sich doch an zu den nächsten WIESBADENER SICHERHEITSGESPRÄCHEN am 12.02.2019)

 

Quelle:

www.fr.de
www.chip.de
www.stern.de
www.bild.de
www.bsi.bund.de

 


 

Beitragsbild: © iStock.com / Simon Carter Peter Crowther

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